Forum Tierversuche in der Forschung

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Der Einsatz von Tieren in Forschungsprojekten ist ein komplexes und umstrittenes Thema. Weder für Fachleute noch für Laien gibt es einfache Orientierungen für den angemessenen Umgang mit den Fragen, die Tierversuche aufwerfen. Zwischen dem Leiden der Tiere und einem potenziellen Nutzen für Menschen abzuwägen ist häufig schwierig. Unabhängig vom Einzelfall stellt sich die Frage nach ethisch begründeten Orientierungen und sachgerechten Regeln.

Das Forum Tierversuche in der Forschung beteiligt sich an der gesellschaftlichen und an der fachlichen Diskussion über Tierversuche. Seine Mitglieder kommen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen und Praxisbereichen, in denen sie sich mit Tierversuchen und den Alternativen dazu auseinandersetzen.

Das Forum ermöglicht seinen Mitgliedern den interdisziplinären Dialog in einem ergebnisoffenen und vertrauensgeschützten Rahmen. Für die interessierte Öffentlichkeit bietet das Forum Informationen und Diskussionen an.

Thema: Moralprofil für die tierexperimentelle Forschung

Ob es um Tierversuche, Stammzellen oder Präimplantationsdiagnostik geht – Naturwissenschaftler und Ethiker kommunizieren über dasselbe Thema, aber sehr häufig aneinander vorbei. Dabei zeigt der zweite Blick, dass die Disziplinen durchaus stark ineinander greifen. Naturwissenschaftler müssen sich bei Experimenten, die das Leben in irgendeiner Form berühren, grundsätzlich fragen, ob sie tun dürfen, was sie planen. Um diese Fragen zu beantworten, handeln Wissenschaftler aus ihrer persönlichen Überzeugung unter Berücksichtigung der geltenden Normen der Wissenschaft und des Rechts. Diese Überzeugung ist geprägt durch die ethischen Grundsätze unserer Gesellschaft. Andererseits stellen anwendungsbezogene Ethiker Fragen nach dem Erlaubten und Gebotenen meist dann, wenn die Wissenschaft sich bewegt und an die Grenzen des allgemein gesellschaftlich Akzeptierten vorstößt. Eine gemeinsame Kommunikationsebene zwischen den Disziplinen könnte beide wissenschaftlichen Zweige bereichern. Zumal sich in den letzten zwei Jahrzehnten ein Wertewandel in der naturwissenschaftlichen Gemeinschaft vollzogen hat: Naturwissenschaftler sind sich bewusst, dass Tierversuche ethisch vertretbar sein müssen und suchen nach der richtigen Orientierung.
Das Hintergrundpapier Moralprofil zeigt den Einstieg des Forum Tierversuche in die komplexe Debatte über die ethische Vertretbarkeit von Tierversuchen. Es folgt vorrangig den Argumentationswegen der wissenschaftlichen Ethik. Im nächsten Arbeitsschritt wird das Forum die Nutzenargumentation aus Sicht der Naturwissenschaften fokussieren.

Thema: Die Qualifizierung für die Durchführung und Beurteilung von Tierversuchen

Wissen schützt Tiere: Damit ist Qualifikation eines der zentralen Themen im Umfeld von Versuchstieren und Tierversuchen. Das Tierschutzgesetz definiert, welche Voraussetzungen für die Genehmigung und Durchführung von Tierversuchen erfüllt sein müssen. Die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Durchführung des Tierschutzgesetzes (AVV, vom 9. Februar 2000, Banz Nr. 36a) dient der Auslegung des Tierschutzgesetzes und somit einem länderübergreifenden einheitlichen Verwaltungshandeln. Aber bei genauerem Hinsehen sind die Rechtsvorschriften weich formuliert und lassen eine Spielraum in der Auslegung zu – um Entscheidungsraum für Einzelfallentscheidungen zu lassen. Dies führt zu unterschiedlicher Interpretation bei den einzelnen Antrags- und Entscheidungsebenen in einem Antragsverfahren und in Bezug auf die Qualifikation der beteiligten tierexperimentell arbeitenden Wissenschaftler, der Tierschutzbeauftragten, Tierpfleger, Behördenvertreter und Kommissionsmitglieder. Zudem stammt die Allgemeine Verwaltungsvorschrift aus dem Jahr 2000 und spiegelt damit nicht alle aktuellen Anforderungen und Gegebenheiten wider. Die Ausbildungsanforderungen entwickeln sich durch neue Technologien stetig weiter und damit verbreitert sich ebenfalls das Qualifizierungsspektrum derjenigen, die an Tierversuchen beteiligt sind.
Das Forum Tierversuche hat die Anforderungen an die Qualifizierung der Personen, die mit der Durchführung von Tierversuche beziehungsweise mit der Genehmigung von Tierversuchen befasst sind, diskutiert. Die Diskussion ist in einem Hintergrundpapier zusammen gefasst.

Thema: Neue EU-Richtlinie zu Tierversuchen und Belastungskataloge zur Bewertung von Tierversuchen

Auf EU-Ebene wird die Überarbeitung der „Richtlinie des Europäischen Parlamentes und des Rates zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere“ diskutiert, die die über 20 Jahre lang gültige Richtlinie 86/609/EWG ablöst. Die Wissenschaft ist in den letzten Jahren rasant fortgeschritten. Art und Menge der durchgeführten Tierversuche haben sich geändert, ebenso wie das Wissen über die Rolle und Situation der Tiere in Tierversuchen. Der in den letzten Jahren stark gestiegene Einsatz transgener Tiere in der Grundlagen- und klinisch angewandten Forschung sowie die Entwicklung von Alternativmethoden bei der Prüfung von Chemikalien sind ebenfalls Aspekte, die einen neuen Blick auf die Richtlinie 86/609/EWG erforderlich gemacht haben. In der Gesellschaft hat sich ein Wandel vollzogen, das Wohl der Tiere hat heute einen deutlich höheren Stellenwert als während der Entwicklung der Richtlinie 86/609/EWG.

Diese gesellschaftliche Veränderung ist einer der Hauptgründe für die Novellierung der Richtlinie, wie es in der offiziellen Begründung zum Vorschlag der neuen Richtlinie heißt: Aufgrund ethischer Bedenken hat das Wohlergehen von Tieren einen immer höheren Stellenwert erlangt und ist für die europäische Gesellschaft zu einer kulturellen Frage geworden. Dies wird im Protokoll über den Tierschutz und das Wohlergehen der Tiere zum EG-Vertrag anerkannt, das Tiere als fühlende Wesen definiert. Es fordert die Gemeinschaft und die Mitgliedstaaten dazu auf, dem Wohlergehen der Tiere in vollem Umfang Rechnung zu tragen. Die gegenwärtigen Vorschriften der Richtlinie erfüllen diese Verpflichtung jedoch nicht mehr.

Das Forum Tierversuche hat sich mit diesem Thema befasst und ein Hintergrundpapier herausgeben.